Lette ist Häss­lich. Objek­tiv. Das hat ihm seine Frau mit­zu­tei­len, und nicht etwa sein Chef oder sein Kol­lege. Sein Kol­lege, Karl­mann, den Lette ledig­lich als „Bast­ler“ bezeich­net, ist es auch, der zu einem Kon­gress fah­ren darf, um Let­tes geniale Erfin­dung vor­stel­len zu dür­fen. Dies ändert sich jedoch, als Lette sich einer Schön­heits-OP unter­zieht und fortan ein wan­deln­des Schön­heits­ideal ist. Schon sind die Debat­ten los­ge­tre­ten; Gibt es objek­tiv Schö­nes und wer ernennt es dazu? Kann es der Wille jeden Indi­vi­du­ums sein, “so” aus­zu­se­hen? Wie ver­hält es sich mit per­sön­li­chen Prä­fe­ren­zen? Und wie wird mit der Öff­nung einer Mono­ga­men Bezie­hung zu einer vor­erst ein­sei­tig geöff­ne­ten Bezie­hung umge­gan­gen, wo Let­tes Frau Fanny nun „nur noch“ die „Num­mer eins“ von vie­len ist? Diese letzte Frage spie­gelt sich sobald Fanny mit Karl­mann eine Affäre ein­geht, da die­ser spä­ter ebenso ein lau­fen­des, opti­sches Ideal dar­stellt wie Lette. Beson­ders die erste Frage ist in Anbe­tracht wan­deln­der Ideale durch die Epo­chen unse­rer Zeit schein­bar gro­tesk, waren es doch oft runde Bäu­che und Breite Becken, die einen Nut­zen zu ver­spre­chen schie­nen. Mehr denn je sind wir heut­zu­tage immer wie­der von den sel­ben Bil­dern geprägt, wie „Mann“ oder „Frau“ aus­zu­se­hen hat und was jemand zu mögen hat. In jedem sozia­len Netz­werk ver­fol­gen uns die Kör­per des Ado­nis und des David.

Lette fin­det sich letz­ten Endes in einer Welt wie­der, in der jeder Mensch es ihm nach­tat und das selbe, objek­tiv schöne Ant­litz besitzt. In die­ser Masse an Men­schen ver­liert er seine Iden­ti­tät. Seine Cha­rak­ter­züge, der Intel­lekt des Anfangs, schei­nen ver­blasst zu sein.

Diese Insze­nie­rung soll in einer Zeit, in der immer den­sel­ben Rol­len auf Face­book und Insta­gram gehul­digt wird, den eigent­lich zugrun­de­lie­gen­den Plu­ra­lis­mus auf­zei­gen. Vier Schau­spie­ler in ihren acht Rol­len bewe­gen sich von einem kal­ten, aber lus­ti­gen  und gro­tes­ken Zusam­men­spiel hin zu einem emo­tio­na­len Zusam­men­bruch der Ober­fläch­lich­keit in dem für jedes auto­nome Wesen Platz für sei­nen eige­nen Geschmack ist.

Bei die­sem Neben­pro­jekt des Kal­liope Uni­ver­si­täts­thea­ter führt Anja Lin­dig Regie.